Schweizer Bevölkerung zahlt lieber höhere Mieten als länger zu pendeln

17.02.2026 | von Comparis.ch AG

Uhr Lesedauer: 6 Minuten


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17.02.2026, Trotz steigender Mieten und knapper Wohnungen ist die Bereitschaft der Schweizer Bevölkerung gering, längere Pendelwege in Kauf zu nehmen. Eine repräsentative Comparis-Umfrage zeigt: Nur rund jede vierte Person hat beim letzten Umzug bewusst einen weiteren Arbeitsweg akzeptiert, um günstiger zu wohnen. Die grosse Mehrheit hält an kurzen Wegen fest – selbst wenn das Wohnen teuer wird. «Der Wunsch nach kurzen Wegen ist derzeit stärker als der Druck auf dem Wohnungsmarkt», sagt Harry Büsser, Immobilienexperte bei Comparis.


Wohnen in der Schweiz ist knapp und teuer. Doch bisher will die Schweizer Bevölkerung das kaum durch längere Pendelwege entschärfen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Comparis, dem Internet-Vergleichsdienst mit dem grössten Immobilienportal der Schweiz: Nur 23 Prozent der Befragten haben beim letzten Umzug bewusst einen längeren Arbeitsweg in Kauf genommen, um Wohnkosten zu sparen. Drei Viertel lehnten das ab.

«Die Schweiz ist ein Land der kurzen Wege – und will das auch bleiben», sagt Comparis-Immobilienexperte Harry Büsser: «Viele zahlen lieber eine hohe Miete, als jeden Tag Zeit, Energie und Nerven im Pendelverkehr zu verlieren.»

91 Prozent der Befragten pendeln wieder regelmässig

Während der Pandemie arbeiteten viele Menschen im Homeoffice. Aber heute bewegen sich wieder 91 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mehrmals pro Woche von zu Hause zu ihrem wichtigsten Ziel, etwa zur Arbeit oder zur Schule.

«Das zeigt, wie stark sich alte Präsenzmuster wieder durchgesetzt haben – obwohl die technischen Möglichkeiten für flexibles Arbeiten weiter vorhanden sind», sagt Comparis-Immobilienexperte Büsser. «Die Rückkehr ins Büro ist weniger eine Folge neuer Notwendigkeiten als alter Gewohnheiten», ergänzt er. «Für den Wohnungsmarkt und den Pendelverkehr hat das spürbare Folgen.»

Fast die Hälfte der Befragten ist nicht bereit, mehr als 30 Minuten zu pendeln

Die Umfrage beleuchtet die Akzeptanz der maximal akzeptierten Pendelzeiten. 11 Prozent der pendelnden Bevölkerung ist höchstens bereit, bis zu 15 Minuten zu reisen. Die meisten Befragten akzeptieren eine Pendelzeit von 16 bis 30 Minuten. Insgesamt stimmten 38 Prozent der Pendler dieser Dauer zu.

Die nächsthöhere Pendelzeit von 31 bis 45 Minuten wird nur noch von 28 Prozent der Befragten akzeptiert. Eine Pendelzeit von 46 bis 60 Minuten kommt für 19 Prozent der Befragten infrage. Nur eine kleine Minderheit von 5 Prozent der Pendler akzeptiert eine Reisezeit von mehr als 60 Minuten.

«Die halbe Stunde ist eine psychologische Grenze», erklärt Büsser. «Alles darüber wird als Dauerbelastung empfunden.» Internationale Studien zeigen seit Jahren, dass lange Pendelwege die Lebenszufriedenheit deutlich senken. «Pendeln wirkt wie eine tägliche Zusatzsteuer auf das Wohlbefinden», sagt Büsser. «Und diese Steuer will kaum jemand dauerhaft zahlen.» Das gelte nicht nur für die Schweiz, sondern auch für die EU. «Wie Zahlen von Eurostat zeigen, pendelt auch in der EU eine Mehrheit weniger als 30 Minuten», erklärt Büsser (Quelle: https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-eurostat-news/-/ddn-20201021-2).

Die Hälfte pendelt weniger als 16 Kilometer

Mit 20 Prozent ist der Anteil der Befragten, die mehrmals pro Woche Distanzen von 0 bis 5 Kilometer zurücklegen, am höchsten. Am zweithäufigsten wurde die Pendelstrecke von 16 bis 30 Kilometer genannt. 18 Prozent der Befragten fahren regelmässig diese mittleren Distanzen. Anteilig deutlich weniger Personen pendeln Strecken von 6 bis 10 Kilometern (17 Prozent) und 11 bis 15 Kilometern (13 Prozent). Total pendeln 68 Prozent weniger als 31 Kilometer, 50 Prozent sogar weniger als 16 Kilometer.

Die Anzahl der Befragten, die regelmässig Strecken von 31 bis 50 Kilometer fahren, liegt bei 11 Prozent. Noch weniger, nämlich nur 5 Prozent, legen Distanzen von 51 bis 80 Kilometer zurück. Und 7 Prozent schliesslich pendeln mehr als 80 Kilometer. «Diese Zahlen zeigen, dass der Wunsch nach kurzen Wegen derzeit noch stärker ist als der Preisdruck auf dem Wohnungsmarkt», sagt Büsser.

Männer akzeptieren längere Wege eher als Frauen, um Wohnkosten zu sparen

Die kurzen Distanzen wurden grösstenteils bewusst gewählt. Die Mehrheit der befragten Pendler, nämlich 77 Prozent, hat angegeben, keinen längeren Arbeitsweg aufgrund der Wohnkosten in Kauf genommen zu haben. Nur 23 Prozent der Pendler gaben an, bewusst einen längeren Arbeitsweg akzeptiert zu haben, um bei den Wohnkosten zu sparen.

Dabei zeigt sich eine Geschlechterdifferenz: Männer sind deutlich häufiger bereit, Kompromisse beim Pendelweg für günstigere Wohnkosten einzugehen. Während bei den Männern 27 Prozent beim letzten Umzug längere Pendelwege in Kauf nahmen, waren es bei den Frauen nur 20 Prozent. «Das dürfte damit zu tun haben, dass Frauen noch immer meist den Familienalltag organisieren. Deshalb ist für sie Nähe kein Luxus, sondern nötige Voraussetzung», schätzt Büsser ein.

Jüngere müssen weiter weg

Das Alter spielt eine bedeutende Rolle bei der Entscheidung für oder gegen einen längeren Pendelweg. 27 Prozent der jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 35 Jahren haben bei ihrem letzten Umzug längere Pendelzeiten akzeptiert, um günstiger wohnen zu können. Im Gegensatz dazu fällt dieser Anteil bei den über 56-Jährigen deutlich niedriger aus (19 Prozent).

«Der Generationenunterschied dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Jüngeren eher beschränkte finanzielle Mittel zur Verfügung haben», schätzt Büsser ein. «Aber auch sie haben eine Grenze – spätestens dann, wenn der Arbeitsweg den Feierabend auffrisst.»

Das Auto ist das am häufigsten genutzte Pendelmittel

Das Auto ist in der Schweiz mit 50 Prozent das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel der pendelnden Bevölkerung. Die Autonutzung nimmt mit der Strecke zu und erreicht bei Distanzen über 80 Kilometern den klaren Spitzenplatz der Verkehrsmittel.

Der öffentliche Verkehr (ÖV) wird insgesamt von 33 Prozent der Befragten genutzt. Im Bereich bis 5 Kilometer nutzt knapp ein Viertel der Pendler den ÖV. Dieser Anteil steigt bei Distanzen von 16 bis 30 Kilometer auf 40 Prozent der genutzten Verkehrsmittel. Das könnte auf die Effizienz des öffentlichen Verkehrs auf mittellangen Strecken hinweisen. Der Anteil nimmt wieder ab auf Strecken über 30 Kilometer. Bei Pendelstrecken von mehr als 80 Kilometer macht der ÖV noch 29 Prozent aus.

Das Velo oder E-Bike wird von insgesamt 7 Prozent der Befragten genutzt. Der höchste Anteil findet sich bei den kürzesten Distanzen von 6 bis 10 Kilometer. Diese Präferenz nimmt mit zunehmender Distanz deutlich ab. Zu Fuss gehen 8 Prozent der Befragten, besonders bei kurzen Distanzen bis 5 Kilometer. Roller und Motorräder sind mit 2 Prozent die am wenigsten genutzten Verkehrsmittel, ohne wesentliche Unterschiede in den verschiedenen Pendeldistanzen.

«Dass rund die Hälfte der Pendlerinnen und Pendler hauptsächlich mit dem Auto unterwegs ist, zeigt ein strukturelles Problem auf», sagt Büsser. «Wohnen und Arbeiten driften auseinander – und das Auto schliesst für viele diese Lücke auf eine bequeme Art – selbst wenn das täglich Stau bedeutet.» Abschliessend hält Büsser fest: «Die Politik darf sich nicht der Illusion hingeben, man könne die Wohnungsnot wegpendeln. Die Menschen machen da nicht mit.»

Methodik

Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut innofact im Auftrag von comparis.ch im Dezember 2025 unter 1’049 erwachsenen Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt.

Weitere Informationen:

Harry Büsser
Immobilienexperte
Telefon: 044 360 53 91
E-Mail:
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--- ENDE Pressemitteilung Schweizer Bevölkerung zahlt lieber höhere Mieten als länger zu pendeln ---

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