Die Europäische Zentralbank (EZB) hat diesen Monat mit der Absenkung ihres Anleihekaufprograms begonnen. Der Umfang der Anleihekäufe beträgt neu 30 Milliarden Euro anstatt wie bisher 60 Milliarden. Hintergrund ist das zunehmend robuste wirtschaftliche Umfeld, mit hohem Konsumentenvertrauen und solidem BIP-Wachstum in der Eurozone. Zwar ist die Inflation nach wie vor schwach, diese könnte aber ab März steigen. "Der kräftige Aufschwung der Eurozone-Wirtschaft hat zu einer der stärksten Prognose- Anhebungen in der EZB-Geschichte geführt", sagt CIO Ökonom Ricardo Garcia. "Das jüngste EZB- Protokoll spiegelt einen starken Anstieg des Optimismus des EZB-Notenbankrats sowie die wachsende Übereinstimmung, die geldpolitische Lockerung (QE) 2018 zu beenden." Das aktuelle Programm endet im September dieses Jahres.
Beim Treffen des Notenbankrats am Donnerstag – EZB-Präsident Mario Draghi hält seine Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag – dürfte auch die Euro-Stärke ein Diskussionspunkt sein. Die Gemeinschaftswährung konnte jüngst die Marke von 1,20 US-Dollar überspringen (am Montag notierte EURUSD bei 1,22). Die Euro-Rally hatte zuletzt Anlass für defensive Äusserungen vonseiten verschiedener EZB-Notenbankmitglieder gegeben.
Angesichts der Eurostärke glaubt CIO, dass sich die EZB betreffend der Ankündigung der Verengung ihrer Forward-Guidance diese Woche zurückhalten dürfte. Derzeit sieht Garcia die nächste geldpolitische Sitzung der EZB am 8. März als realistischeren Termin einen solchen Schritt anzukündigen. Und was passiert dann? "Wir erwarten, dass es im Juni oder Juli 2018 zu einer Entscheidung betreffend des QE-Programms kommt. Wir bleiben bei unserem Basisszenario, dass die EZB ihr QE-Programm im September 2018 beendet und einen moderaten Anstieg des handelsgewichteten Wechselkurses und der Zinsen tolerieren wird", erklärt der Ökonom. CIO geht weiter von einer ersten Zinserhöhung frühestens im Sommer 2019 aus.
Beim Vorhaben, ihre Geldpolitik zu normalisieren ohne die Wirtschaftserholung zu gefährden, muss die EZB einen vorsichtigen Kurs fahren. Wie Garcia feststellt ist die Fähigkeit der Eurozone, mit knapperen Finanzbedingungen zurechtzukommen, begrenzt. "Die EZB könnte sich genötigt sehen, vorzeitig zu handeln, sollte es zu bedeutenden Marktbewegungen kommen." Allerdings dürfte die EZB solange der Euro nicht zu stark von der erwarteten Bahn abweicht und das wirtschaftliche Umfeld positiv bleibt dieses Dilemma als handhabbar einstufen.
Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem CIO-Report "European economy: The euro and the ECB's patience".
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