Der Wandel in der Aargauer Wirtschaftsstruktur widerspiegelt historische und
konjunkturelle Entwicklungen im Kanton. War der Aargau lange Zeit vornehmlich ein
Landwirtschaftskanton, hat sich im 19. Jahrhundert eine blühende Industrielandschaft
entwickelt. Zu Beginn der Industrialisierung spielte die reichlich verfügbare
Wasserkraft eine grosse Rolle. Später wurden die Eisenbahn und gute Strassenverbindungen
zum zentralen Wirtschaftsfaktor. Trotz dem schweizweiten Trend weg vom Primär- und
Sekundärsektor hin zum Dienstleistungssektor weist die Aargauer Wirtschaft auch heute
noch eine klare industrielle Prägung auf. Wichtiger Wachstumstreiber ist die
Spitzenindustrie, während traditionelle, weniger wertschöpfungsintensive
Industriebranchen an Boden verlieren. Dabei haben sich in den Aargauer Regionen
unterschiedliche Hightech-Cluster entwickelt.
Wettbewerbsfähige Branchenstruktur
Während die Regionen Baden und Brugg/Zurzach stark von der Elektrotechnik geprägt sind,
hat sich im Freiamt die Kunststoffbranche konzentriert. Die Region Aarau weist eine
Spezialisierung in der Nahrungsmittel- sowie der Maschinenindustrie auf. Das Fricktal
hingegen profitiert vom Life- Sciences-Cluster im Grossraum Basel und ist stark durch
die Pharmaindustrie geprägt. In Bezug auf die Beschäftigung ist der
Dienstleistungssektor in jüngster Zeit jedoch stärker gewachsen als die Industrie. Die
administrativen und sozialen Dienste sowie die Unternehmensdienstleistungen tragen am
stärksten zum Beschäftigungswachstum bei. Neben dem eigentlichen Tertiärsektor hat
innerhalb der Industrie in der Folge der Globalisierung von Herstellungsprozessen eine
Verschiebung zu produktionsfernen Aufgaben stattgefunden. Dienstleistungstätigkeiten von
Industrieunternehmen, etwa Forschung und Entwicklung, Unternehmensführung, Marketing,
Design und Prozessgestaltung, haben an Bedeutung gewonnen.
Strukturwandel erfolgreich bewältigt
Strukturwandel ist ein Prozess, der kurzfristig zu schmerzhaften Anpassungen in der Form
von Betriebsschliessungen und Entlassungen führen kann. Er erfordert von den betroffenen
Unternehmen und Angestellten eine hohe Anpassungsfähigkeit. Gleichzeitig schafft er Raum
für neue, im Optimalfall produktivere Geschäftsfelder. Ein erfolgreich bewältigter
Strukturwandel erhöht die Wettbewerbsfähigkeit. In den Aargauer Regionen hat der
Strukturwandel der vergangenen Jahre flächendeckend zu Verbesserungen im
Wertschöpfungspotential geführt. Das Branchenportfolio weist ein entsprechend günstiges
Chancen-Risiko-Profil aus. Insbesondere in den Regionen Fricktal und Brugg ist dieses
deutlich günstiger geworden. Der Kanton Aargau profitiert – trotz kurzfristig negativen
Auswirkungen — vom Wandel in der Wirtschaftsstruktur und weist eine höhere
Wettbewerbsfähigkeit aus als noch vor der Jahrtausendwende.
Erstmals auf dem Podest
Der Aargau gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Kantonen. Seit dem konjunkturellen
Wendepunkt im ersten Quartal 2009 weist er einen steilen Erholungspfad auf. Wichtigster
Treiber sind die Exporte. Entgegen der düsteren Prognosen hat sich der Arbeitsmarkt sehr
schnell erholt. Dank einer fokussierten Standortpolitik ist der Kanton Aargau dieses
Jahr im Standortqualitätsindikator (SQI) von Credit Suisse Economic Research auf den
dritten Rang unter den 26 Schweizer Kantonen vorgestossen, hinter Zug und Zürich. Im
Vorjahr lag der Aargau noch auf Rang sechs. Die markante Verbesserung ist vor allem eine
Folge der deutlich reduzierten Steuerbelastung. Die gute verkehrstechnische
Erreichbarkeit und die Nähe zu den Zentren Basel, Bern und Zürich waren schon immer ein
Trumpf. Mit diesen Voraussetzungen ist der Kanton Aargau bestens gerüstet, um von
künftigen konjunkturellen Aufschwüngen im Schweizer Vergleich überdurchschnittlich zu
profitieren.
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