Sicherheit der Arzneimittelversorgung: ein Schritt in die richtige Richtung

23.03.2026 | von Schweizerischer Apothekerverband (pharmaSuisse)

Uhr Lesedauer: 4 Minuten


Schweizerischer Apothekerverband (pharmaSuisse)
Bildrechte: pharmaSuisse - Schweizerischer Apotheker Verband

23.03.2026, Der Schweizerische Apothekerverband pharmaSuisse begrüsst die Veröffentlichung des direkten Gegenentwurfs des Bundesrates zur Volksinitiative « Ja zur medizinischen Versorgungssicherheit ». Dieser anerkennt den dringenden Handlungsbedarf angesichts der zunehmenden Arzneimittelengpässe sowie zusätzliche Massnahmen zur Bekämpfung von Lieferengpässen und zur Sicherstellung einer angemessenen Patientenversorgung. Arzneimittelengpässe haben sich zu einem strukturellen Problem entwickelt und üben einen wachsenden Druck auf die Gesundheitsfachpersonen aus – insbesondere auf Apothekerinnen und Apotheker, die an vorderster Front für die Kontinuität der Therapien sorgen.


In seiner Strategie schlägt der Bundesrat verschiedene Massnahmen zur Stärkung der Versorgungssicherheit mit therapeutischen Produkten vor: So sollen Packungsbeilagen durch QR- Codes ersetzt, Verpackungen verwendet werden können, die nicht speziell für den Schweizer Markt produziert wurden, und die Zulassungsverfahren weiter vereinfacht werden. Dazu gehört beispielsweise die Prüfung, ob Medikamente, die in der EU zugelassen und seit Jahren im Einsatz sind, auch in der Schweiz anerkannt werden könnten, um die Versorgungssicherheit zu verbessern. Zudem bleibt der Ausbau der internationalen Zusammenarbeit von zentraler Bedeutung. Diese Massnahmen greifen mehrere Punkte auf, die auch vom Initiativkomitee, dem pharmaSuisse angehört, hervorgehoben wurden.

Die Belastung vor Ort rasch reduzieren

Arzneimittelengpässe sind ein globales Phänomen und betreffen alle Kategorien von Medikamenten – insbesondere häufig verwendete, günstige und wirtschaftlich wenig rentable Arzneimittel. Auch wenn sie kurzfristig nicht vollständig behoben werden können, lassen sich ihre Auswirkungen im Versorgungsalltag dennoch rasch abfedern.

Heute wenden Apotheken einen erheblichen Teil ihrer Ressourcen für die Suche nach Alternativen, die Koordination mit verschreibenden Ärztinnen und Ärzten sowie Lieferanten und die Bearbeitung von Rezepten für nicht verfügbare Medikamente auf. Gemäss dem jüngsten Bericht* der PGEU hat sich der durchschnittliche administrative Aufwand im Zusammenhang mit Engpässen seit 2019 verdoppelt – von 6,6 auf 12 Stunden pro Woche.

Für pharmaSuisse hat die rasche Entlastung dieser – zudem nicht vergüteten – Zusatzbelastung höchste Priorität. Der Dachverband der Apothekerinnen und Apotheker begrüsst deshalb die Einführung einer Klassifizierung aller Medikamente in verschiedene Kategorien entsprechend ihrem therapeutischen Nutzen, in Zusammenarbeit mit den Akteuren des Gesundheitswesens, insbesondere den Apotheken, sowie eine aktive Überwachung der Versorgungslage in der Schweiz bei Arzneimitteln und Medizinprodukten. So kann der Bund gezielte Massnahmen ergreifen, etwa wirtschaftliche Anreize, um die Verfügbarkeit bestimmter, für die Versorgung essenzieller Medikamente zu verbessern.

Ein zentraler Punkt bleibt offen

Während der Bund regulatorische Verbesserungen vorsieht – etwa die Erleichterung für Apotheken bei der Herstellung von Arzneimitteln –, wurde eine umfassende Revision der Liste der Arzneimittel mit Tarif (ALT) in der Strategie nicht berücksichtigt. Dabei stellt die Herstellung von Arzneimitteln direkt in der Apotheke, insbesondere in Engpasssituationen, häufig die einzige verfügbare Alternative dar. Diese Problematik steht zudem in engem Zusammenhang mit den jüngsten Schliessungen einzelner Produktionsbetriebe.

In der Praxis stossen Apothekerinnen und Apotheker bei der Herstellung solcher Alternativen auf grosse Schwierigkeiten, da die ALT sowohl inhaltlich als auch tarifarisch veraltet ist. Die darin enthaltenen Tarife, Substanzlisten und Behältnisse entsprechen weder den heutigen fachlichen Anforderungen noch den wirtschaftlichen Realitäten. Eine Revision der ALT muss daher prioritär behandelt werden, um die Versorgungssicherheit nachhaltig zu gewährleisten.

Das Initiativkomitee, dem pharmaSuisse angehört, wird den Gegenentwurf analysieren und entscheiden, ob die Volksinitiative « Ja zur medizinischen Versorgungssicherheit » aufrechterhalten wird. Es wird sich konstruktiv in den parlamentarischen Prozess einbringen und dabei besonderes Augenmerk auf die Umsetzung der zentralen Anliegen der Initiative legen.

* https://www.pgeu.eu/publications/pgeu-medicine-shortages-report-2025/

Auskunft Schweizerischer Apothekerverband pharmaSuisse Abt. Kommunikation - Medienstelle
Telefon: +41 31 978 58 27 | E-Mail: medien@pharmaSuisse.org



--- ENDE Pressemitteilung Sicherheit der Arzneimittelversorgung: ein Schritt in die richtige Richtung ---

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Über Schweizerischer Apothekerverband (pharmaSuisse):

Der Schweizerische Apothekerverband pharmaSuisse ist die Dachorganisation der Apothekerinnen und Apotheker.

Der Verband vertritt ihre Interessen und beteiligt sich unter diesem Blickwinkel aktiv an politischen und gesetzgebenden Verfahren. pharmaSuisse unterstützt seine Mitglieder dabei, die Bevölkerung bei Gesundheitsfragen optimal zu beraten und begleiten. Dazu erarbeitet der Verband wirkungsvolle Präventionsmassnahmen und entwickelt zukunftsweisende Dienstleistungen für die medizinische Grundversorgung.

Alles mit dem Ziel, das hohe Vertrauen der Bevölkerung in die Apotheken weiter zu stärken. Der Schweizerische Apothekerverband pharmaSuisse besteht seit 1843 und ist somit der älteste Dachverband der Schweiz.


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