Studie zeigt: Die Schweiz plant ihre Spitäler am Volk vorbei

02.03.2026 | von Groupe Mutuel

Uhr Lesedauer: 3 Minuten


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02.03.2026, Eine neue Studie der Universität St. Gallen im Auftrag der Fondation Groupe Mutuel liefert neue Grundlagen für eine überregionale Spitalplanung. Sie zeigt auf, dass sich Patienten in 25-50 Prozent der Fälle bereits heute ausserkantonal behandeln lassen und dabei längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Die Groupe Mutuel fordert auf dieser Grundlage eine gesamtheitliche Versorgungsplanung in 5-7 Gesundheitsregionen.


Die Spitäler in der Schweiz stehen vor grossen Herausforderungen: steigende Kosten, defizitäre Häuser, fehlendes Personal und eine fortschreitende Ambulantisierung. Eine Spitalplanung, die auf den Kantonsgrenzen basiert, stösst langsam an ihre Grenzen. Die Notwendigkeit das Thema anzugehen, wurde zwar von Parlament, Bund und GDK erkannt, konkrete Vorschläge und eine vertiefte Betrachtung der tatsächlichen Begebenheiten fehlen jedoch nach wie vor.

Die Universität St. Gallen hat im Auftrag der Fondation Groupe Mutuel die Spitallandschaft der Schweiz analysiert. Sie zeigt, dass die kantonalen Planungsgrenzen mit der realen Versorgung für viele Leistungsgruppen wenig zu tun haben. In einem Grossteil der untersuchten Regionen lassen sich 25 bis 50 Prozent der Bevölkerung ausserkantonal behandeln. In einigen Regionen, wie z.B. Mesocco GR sind dies 95% der Fälle. Dies sowohl für Behandlungen im Bereich der stationären Grundversorgung wie auch für elektive Eingriffe.

Dabei nehmen die ausserkantonalen Patienten systematisch längere Wege in Kauf. Sie orientieren sich also nicht an der Nähe eines Spitals, sondern an dessen Qualität, Expertise und Sprache, wie die Studie aufzeigt. «Die interkantonale Versorgung ist kein Nischenthema der hochspezialisierten Medizin, sondern die Realität für viele Behandlungen in der Grundversorgung. Die Planung sollte diesen Umständen Rechnung tragen. Darüber hinaus sollten die Leistungsgruppen bezüglich Dringlichkeit und Komplexität überarbeitet werden und basierend darauf die Planungsebenen von lokal bis national festgelegt werden», erklärt Prof. Dr. Alexander Geissler, Professor für Gesundheitsökonomie, -politik und -management und Mitautor der Studie.

Eine weitere Analyse der Auslastung der Spitäler zeigt, dass Überlappungen in den Leistungsaufträgen benachbarter Kantone bestehen. In den meisten Kantonen erbringen ein Drittel bis vier Fünftel der Spitäler 80%-90% der Behandlungen einer Leistungsgruppe.

«Die Realität der Patienten zeigt, dass das Bild des wohnortnahen ‘Versorgungsspital’ überholt ist. Wir müssen in der Spitalplanung weg von den Eigeninteressen der Kantone und die der Patienten ins Zentrum stellen», fordert Thomas Boyer, CEO der Groupe Mutuel.

Die Groupe Mutuel strebt dabei eine gesamtheitliche Versorgungsplanung mit Fokus auf die Qualität an. Wie in der Studie aufgezeigt, sollten Leistungsgruppen der geeigneten Ebene zugeordnet werden. Neben den bestehenden Planungsebenen von Bund und Kantone könnten 5 bis 7 regionale Gesundheitsregionen für mehr Effizienz sorgen. Zudem müssen Qualitätsindikatoren im Sinne von Value-based Healthcare sowie Mindestfallzahlen berücksichtigt werden. Gleichzeitig sollte auch die ambulante gemeindenahe Versorgung in die Planung miteinbezogen werden. «Wir müssen weg von einer Spitalplanung zu einer Versorgungsplanung. Die Studie zeigt, dass wir neben der hochspezialisierten Medizin auf Stufe Bund mit interkantonalen Gesundheitsregionen den realen Patientenströmen am besten Rechnung tragen. Zudem müssen wir die Grundversorgung in der Nähe in die Planung miteinbeziehen», sagt Thomas Boyer.


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