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Comparis.ch - Preise für Alltagsgüter sind 2022 viel stärker gestiegen als die durchschnittliche Teuerung

20.01.2023 | von Comparis.ch AG


Comparis.ch AG

20.01.2023, Die gefühlte Inflation ist in der Schweiz im Dezember gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,9 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche Jahresteuerung 2022 lag gemäss dem Comparis- Konsumentenpreisindex* bei 3,5 Prozent – und damit deutlich höher als die Jahresteuerung des Landesindex der Konsumentenpreise (LIK). «Die Teuerung belastet die Portemonnaies der Schweizerinnen und Schweizer in ihrem täglichen Leben. Zum Beispiel stiegen die Preise beim Einkaufen von Alltagsgütern und bei der Mobilität überdurchschnittlich», sagt Comparis- Finanzexperte Kuhn.

Der Comparis-Konsumentenpreisindex in Zusammenarbeit mit der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH misst die gefühlte Inflation der Konsumentinnen und Konsumenten. Dazu wird ausschliesslich die Preisentwicklung von regelmässig konsumierten Gütern wie zum Beispiel Lebensmitteln, Medikamenten oder Kleidung betrachtet. Die Teuerungsrate wird um inflationsdämpfende Faktoren wie Mieten oder andere dauerhafte Güter bereinigt.

Laut dem Comparis-Konsumentenpreisindex sind im Dezember 2022 die Preise für Alltagsgüter in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,9 Prozent gestiegen. Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) stieg um 2,8 Prozent.

Gegenüber November 2022 sind die Preise im Schweizer Comparis-Warenkorb gesunken, nämlich um 0,1 Prozent (LIK: minus 0,2 Prozent). Im Monat zuvor waren die Kosten für Alltagsgüter um 0,2 Prozent gesunken (LIK: keine Veränderung).

Hohe Jahresteuerung

Die durchschnittliche Jahresteuerung 2022 des Comparis-Konsumentenpreisindex lag bei 3,5 Prozent (2021: 0,6 Prozent). Die durchschnittliche Jahresteuerung 2022 des LIK betrug demgegenüber nur 2,8 Prozent (im Vorjahr: 0,6 Prozent). Das Jahresmittel berechnet sich als Durchschnittswert der zwölf Monatsindizes des Kalenderjahres.

Die Differenz zwischen dem Comparis-Konsumentenpreisindex und dem LIK war in der ersten Hälfte des Jahres besonders gross, danach glichen sich die beiden Indizes wieder etwas an. «Nach einem starken Preisanstieg für Alltagsgüter wie zum Beispiel Treibstoff und Heizenergie stiegen in den letzten Monaten 2022 auch langfristige Güter wie das Wohnen an», erklärt Comparis- Finanzexperte Michael Kuhn. Die von Comparis ermittelte höhere durchschnittliche Jahresteuerung bildet aber das tatsächliche Erleben der Konsumentinnen und Konsumenten beim täglichen Einkauf besser ab.

Teuerung wohl auch 2023 auf hohem Niveau

Der Blick über die Landesgrenze hinaus zeigt: Im Vergleich zum Vorjahresmonat war die Teuerung in der Schweiz tiefer als in der Eurozone. Gemäss Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, sind die Preise in diesem Zeitraum in den Euroländern um 9,7 Prozent gestiegen (gesamte EU: plus 11,1 Prozent). Im Dezember im Vergleich zum November lag die Inflationsrate bei minus 0,3 Prozent (gesamte EU: 0,1 Prozent).

Für 2023 wird mit einer Inflation von rund 6,1 Prozent im Euroraum und 7 Prozent in der EU gerechnet. In der Schweiz geht das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) von einer Teuerung in der Höhe von 2,2 Prozent für das laufende Jahr aus. «Im langjährigen Vergleich wird die Inflation in der Schweiz damit hoch bleiben, aber deutlich tiefer sein als in den meisten Ländern Europas», so Kuhn.

Mobilität wurde in den letzten 20 Jahren deutlich teurer

Augenfällig ist die Entwicklung des Mobilitätssektors. Hier sticht der Luftverkehr besonders hervor. Die Nachfrage sowie teurer Treibstoff haben die Preise um 33,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat ansteigen lassen. Im Langzeitvergleich liegen die aktuellen Ticketpreise rund 2,7 Prozent über dem Wert vor 20 Jahren.

Seit Ende 2002 haben im Mobilitätssektor die Treibstoffpreise mit durchschnittlich 48,4 Prozent am stärksten zugelegt. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren es im Dezember 5 Prozent. Ebenfalls deutlich teurer wurden im durchschnittlichen Langzeitvergleich die Wartung und Reparatur von privaten Verkehrsmitteln mit 33,8 Prozent, der öffentliche Verkehr mit 27,1 Prozent, sonstige Dienstleistungen für den Individualverkehr mit 19,8 Prozent und die Taxipreise mit 19,4 Prozent.

«Im Langzeitvergleich stiegen die Preise aller Kategorien der Mobilität deutlich stärker als die durchschnittliche Teuerung. Einzige Ausnahme ist der Luftverkehr. Die Ticketpreise legten aufgrund der Corona-Einschränkungen im Langzeitvergleich nur minimal zu. Das wird sich dieses Jahr jedoch ändern, da hohe Kerosinpreise, Lieferengpässe von Flugzeugen und eine deutlich erhöhte Reiselust die Ticketpreise in die Höhe treiben werden», so der Comparis-Experte.

Stärkster Preisanstieg gegenüber Vormonat

Im vergangenen Monat haben sich verschiedene Produkte verteuert. Am stärksten sind die Preise für Parahotellerie gestiegen, um 19,9 Prozent (November: minus 3,4 Prozent). Dies hauptsächlich aus saisonalen Gründen.

Auch der Zucker (plus 6,0 Prozent) machte den zu erwartenden Vorweihnachts-Preissprung. Und der hatte es in sich. Der Zuckerpreis lag damit 7,1 Prozent über dem Vorjahrespreis. Ebenfalls wurde im Dezember Butter noch einmal teurer (plus 3,3 Prozent). Die Butter verteuerte sich im Vergleich zum Vorjahr um satte 9,5 Prozent.

Stärkster Preisanstieg gegenüber Vorquartal

Im Vergleich zum vorigen Quartal sind die Preise für Bekleidungszubehör am stärksten gestiegen, um 7,3 Prozent. Ebenfalls teurer wurden im 4. Quartal 2022 Kinderbekleidung (plus 5,7 Prozent) und Herrenschuhe (plus 5,7 Prozent).

Weiter sind die Preise für Damenbekleidung um 5,6 Prozent und für sonstige Druckprodukte um 5,2 Prozent gestiegen. «Zwar ist es üblich, dass diese Preise im vierten Quartal zulegen, doch Ende 2022 lagen sie allesamt im Durchschnitt höher als im Vorjahr – eine Ausnahme bildet die Kinderbekleidung», sagt Kuhn.

Hohe Energiepreise halten an

Im 4. Quartal 2022 ist im Vergleich mit dem Vorjahresquartal besonders die Energie zum Heizen (Gas, Heizöl, Brennholz und Fernwärme) teurer geworden. Die Preise stiegen um 53,5 Prozent an. «Daran wird sich kurzfristig kaum etwas ändern. Während die Heizölpreise sich auf einem höheren Niveau einpendeln dürften, bleiben die Kosten für Gas vorerst volatil. Mit massiven Preisrückgängen ist bei der Heizernergie vorerst nicht zu rechnen», so Kuhn.

Auch für den Luftverkehr mussten die Konsumierenden 24,8 Prozent mehr bezahlen als noch vor 12 Monaten. Treibstoff wurde um 15,1 Prozent teurer. Höher liegen die Preise zudem für Pauschalreisen und Butter. Sie sind um 11,2 Prozent bzw. 9,7 Prozent gestiegen.

Stärkste Preisrückgänge gegenüber Vormonat

Im Dezember sind einige Produkte günstiger geworden. So bezahlten Konsumierende etwa für Treibstoff 6,9 Prozent weniger als noch im November. Auch Kaffee (Detailhandel) wurde günstiger, nämlich um 4,8 Prozent.

Weiter sanken die Preise für Schaumwein (Detailhandel) (minus 3,7 Prozent), Frucht- und Gemüsesäfte (minus 3,1 Prozent) sowie Speichermedien und Inhalte (minus 3,0 Prozent).

Stärkste Preisrückgänge gegenüber Vorjahresmonat

Vor 12 Monaten bezahlten Konsumierende für sonstige Dienstleistungen für Individualverkehr mehr als im Dezember 2022. Gemäss der Comparis-Analyse sind die Preise im Vorjahresvergleich um 5,9 Prozent gesunken. Am zweitstärksten vergünstigten sich die Preise von Speichermedien und Inhalten, sie lagen 3,7 Prozent tiefer als noch im Dezember 2021.

Weiter gesunken sind die Preise auch für Telekommunikation (minus 3,7 Prozent), andere Gesundheitsleistungen (minus 3,6 Prozent) sowie Dienstleistungen für Versorgung und Unterhalt der Wohnung (minus 2,9 Prozent).

Höchste Teuerung bei kinderlosen Paaren ab 65 Jahren

Die höchste Teuerung erlebten in den letzten 12 Monaten Paare ab 65 Jahren ohne Kinder. Sie fühlen aktuell eine Teuerungsrate von 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Allerdings wurde für sie das Leben im Dezember – verglichen mit dem Vormonat – günstiger, mit einem Minus von 0,3 Prozent.

Nach Haushaltstyp betrachtet spüren Einelternhaushalte prozentual am wenigsten. Mit einem Indexstand von 104,2 hat die gefühlte Teuerung bei ihnen in den letzten 12 Monaten 2,6 Prozent betragen. «Während Paare ohne Kinder in der Regel mehr Geld zur Verfügung haben, um in grösseren Wohnungen zu leben und zu reisen, fehlt Alleinerziehenden dieses Geld oft. Sie spüren die Teuerung rechnerisch weniger, da sie sich viele vom Preisanstieg betroffenen Güter und Dienstleistungen ohnehin nicht oder nur in geringeren Mengen leisten können», so Kuhn.

Stärkste Inflation bei den Gutverdienenden

Betrachtet man das Einkommen, hat sich das Leben im vergangenen Jahr für die höchste Einkommensklasse am stärksten verteuert. Der Konsumentenpreisindex ist für diese Klasse um 3,0 Prozent gestiegen. Im Dezember stagnierte die Teuerung.

Am schwächsten von der Teuerung betroffen war die mittlere bis hohe Einkommensklasse. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise für sie um 2,8 Prozent gestiegen. Im vergangenen Monat wurde der Konsum für die mittlere bis hohe Einkommensklasse um 0,1 Prozent günstiger.

Teuerung in der italienischen Schweiz bleibt am höchsten

Unterteilt nach Sprachregionen ergibt sich folgendes Bild: Die deutsche und die rätoromanische sowie die französische Schweiz verzeichneten mit je einem Plus von 2,9 Prozent die höchste Teuerung im Vorjahresmonatsvergleich. Im Dezember sank das Preisniveau um 0,1 Prozent.

Die vergleichsweise tiefste Teuerung im Vergleich zum Vorjahresmonat hatte die italienische Schweiz mit plus 2,8 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat wurde das Leben im Dezember um 0,1 Prozent günstiger. Dennoch bleibt die Inflation in der italienischen Schweiz mit 104,97 Index-Punkten höher als in der deutschen und der französischen Schweiz.

*Comparis- Konsumentenpreisindex

Der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) misst Preisveränderungen anhand eines repräsentativen Warenkorbs von rund 1'050 Waren und Dienstleistungen. Eine anhaltende Abnahme des Geldwertes bzw. eine Erhöhung des durchschnittlichen Preisniveaus bezeichnet dabei die Inflation. Der LIK umfasst 12 Hauptkategorien, darunter auch langfristige Investitionen und Wohnungsmieten. Grosse Ausgabenposten, wie etwa die Prämien für die Sozialversicherungen oder die direkten Steuern, sind demgegenüber nicht erfasst. Der LIK widerspiegelt somit nicht die tatsächlich gefühlte Teuerung der Konsumentinnen und Konsumenten.

Der Comparis-Konsumentenpreisindex in Zusammenarbeit mit der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH bildet die gefühlte Inflation ab, indem er die LIK-Daten um Mieten und dauerhafte Güter wie Personenwagen und Möbel bereinigt. Zudem werden explizit einzelne Haushaltsgruppen, Einkommensklassen und Sprachregionen berücksichtigt.

Die Datengrundlage für den Comparis-Konsumentenpreisindex besteht aus dem Landesindex der Konsumentenpreise ( LIK) sowie der Haushaltsbudgeterhebung (HABE). Die Gewichtungen für die neuen Preisindizes werden aus der HABE konstruiert. Danach werden verkettete Laspeyres-Indizes mit den Preisreihen des LIK berechnet. Die Indexbasis ist Dezember 2017 (entspricht 100 Prozent).

Weitere Informationen:
Michael Kuhn | Consumer-Finance-Experte
Telefon: 044 360 53 91
E-Mail: media@comparis.ch

--- ENDE Pressemitteilung Comparis.ch - Preise für Alltagsgüter sind 2022 viel stärker gestiegen als die durchschnittliche Teuerung ---

Über Comparis.ch AG:
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Dank umfassender Vergleiche und Bewertungen bringt das Unternehmen Transparenz in den Markt. Dadurch stärkt comparis.ch die Entscheidungskompetenz der Konsumenten.

Gegründet 1996 vom Ökonomen Richard Eisler.

Quellen:
news aktuell   HELP.ch


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