PwC: Bereits ein Drittel des europäischen Fondsvermögens als nachhaltig klassifiziert

03.11.2021 | von PricewaterhouseCoopers


PricewaterhouseCoopers

03.11.2021, Zürich - Das Angebot an Fonds für ESG-orientierte Anleger ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Mittlerweile ist fast ein Drittel (32 Prozent) des gesamten europäischen Fondsvermögens als nachhaltig im Sinne von Artikel 8 oder 9 der Offenlegungsverordnung klassifiziert. Treiber für das wachsende Angebot „grüner“ Fonds ist nicht nur die Regulierung, sondern auch der Wunsch der Anleger:innen nach mehr Nachhaltigkeit. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die PwC in Zusammenarbeit mit dem Finanzinformations- und Analyseunternehmen Morningstar erstellt hat. Für die Studie hat PwC Konsument:innen sowie Fondsgesellschaften und Distributoren in der Schweiz und Deutschland befragt.

Bereits ein Drittel ist klassifiziert

Seit März 2021 ist die Sustainable Finance Disclosure Regulation der EU, kurz SFDR, in Kraft. Ziel dieser so genannten Offenlegungsverordnung ist es, die Transparenz zu Nachhaltigkeitsrisiken in der Finanzindustrie zu erhöhen. Fondsgesellschaften und Finanzberater müssen seitdem sowohl über die positiven Nachhaltigkeitseffekte als auch über die Risiken ihrer Anlageprodukte informieren. Teil der Regulierung ist die Einteilung von Fonds in Kategorien: Nicht- nachhaltige Finanzprodukte fallen unter Artikel 6 der Verordnung. Als Artikel 8 klassifizierte Fonds berücksichtigen ökologische und soziale Kriterien. Anlageprodukte, die als Artikel 9 eingestuft werden, müssen explizit ein nachhaltiges Investitionsziel verfolgen.

Die Analyse von PwC und Morningstar hat ergeben, dass bereits knapp ein Viertel (22 Prozent) aller Fonds auf dem europäischen Fondsmarkt und rund ein Drittel (32 Prozent) des gesamten europäischen Fondsvermögens nach Artikel 8 oder 9 klassifiziert sind. Bei der Einstufung ihrer Angebote gehen die Fondsgesellschaften jedoch noch sehr unterschiedlich vor.

Der Anteil grüner Finanzprodukte wird weiter steigen

„Wir stellen fest, dass eine neue Generation von Investoren heranwächst; tatsächlich sind es vor allem die Jungen und die Frauen, die ESG-konform investieren wollen. Insgesamt gehen wir davon aus, dass der Anteil an grünen Finanzprodukten in den kommenden Jahren nochmals stark ansteigen wird“, sagt Patrick Akiki, Partner Financial Services, PwC Schweiz.

Wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit mittlerweile für die Verbraucher:innen ist, belegt die PwC-Studie: Eine klare Mehrheit (89 Prozent) ist der Meinung, dass Massnahmen zur Umsetzung von Nachhaltigkeit keinen kurzfristigen Trend darstellen, sondern einen langfristigen Systemwechsel. 9 von 10 Befragten finden, dass auch die Finanzbranche einen Beitrag zu Nachhaltigkeit leisten kann – sei es bei der Bekämpfung des Klimawandels oder beim Kampf gegen Armut.

„Das Potential der Schweizer Finanzdienstleister ist immens, um Nachhaltigkeitsthemen zu Treiben und in ihren Angeboten zu verankern. Mit 2,79 Billionen Franken, die jährlich in der Schweiz verwaltet werden, trägt die Branche eine grosse Verantwortung“, so Akiki. Viele Kunden haben jedoch den Eindruck, dass das Engagement der Branche noch zu wünschen übrig lässt: Nur ein Drittel der Umfrageteilnehmer ist der Meinung, dass sich ihr Finanzinstitut ausreichend für Nachhaltigkeit einsetzt.

Zudem fordern die Anleger:innen genügend Auswahlmöglichkeiten, um überhaupt in nachhaltige Finanzprodukte investieren zu können. Eine klare Mehrheit der Befragten spricht sich dafür aus, dass mindestens die Hälfte eines Portfolios in nachhaltige Investitionen fliessen sollte.

Die grösste Hürde im Fondsvertrieb: Die Verfügbarkeit der Daten

Die Forderung nach mehr Transparenz kommt dabei nicht nur von den Anlegern, sondern auch von den Finanzberatern: Eine wichtige Voraussetzung für den Fondsvertrieb ist, dass ausführliche Informationen zu den Anlageprodukten zur Verfügung stehen. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Berater ist jedoch nicht zufrieden mit den Angaben, die ihnen die Anbieter der Finanzprodukte derzeit bereitstellen. Als grösste Schwierigkeit in den kommenden Jahren bezeichnen 80 Prozent der Finanzberater folglich die Verfügbarkeit von Daten, die notwendig sind, um die regulatorischen Anforderungen zu erfüllen.

Ab Juli 2022 werden die Anbieter der Fonds gesetzlich verpflichtet, noch detailliertere Informationen rund um nachhaltigkeitsbezogene Chancen und Risiken zur Verfügung zu stellen – so sieht es Level 2 der Offenlegungsverordnung vor, die im Juli 2022 in Kraft tritt.

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