Laut den Wissenschafter:innen benötigt es nichts Geringeres als einen «Paradigmenwechsel», wie unsere Gesellschaft zukünftig Tiere behandelt: Tierwohl muss auf die globale politische Agenda, um wirksame Präventionsmassnahmen für zukünftige Pandemien zu entwickeln, lautet der Konsens der internationalen Expert:innen-Runde. Für VIER PFOTEN Vorstandsvorsitzenden Josef Pfabigan bedeutet dies vor allem «einen klaren Auftrag für das bevorstehende internationale Pandemie-Abkommen der WHO, in welchem Tierwohl jedenfalls mit verankert werden muss.»
Die 29 an der Zukunftsstudie beteiligten internationalen Expert:innen aus den Forschungsdisziplinen Virologie, Human- und Veterinärmedizin sowie der Klimaforschung entwerfen ein besorgniserregendes Bild für die Zukunft: Zoonosen sind ein deutliches Symptom für die schwere Krise zwischen Mensch, Tier und Umwelt. Die brutalsten Ausformungen dieses Ungleichgewichts sind gleichzeitig die grössten Treiber für die Entstehung von Zoonosen: Lebendtiermärkte, die Massentierhaltung und Pelzfarmen. Die Zerstörung von Lebensräumen und der Klimawandel begünstigen den Sprung des Virus von Tieren auf den Menschen noch weiter.
Die wissenschaftliche Empfehlung ist daher eindeutig: Das Risiko von Pandemien würde sinken, wäre Tierwohl ein zentraler Bestandteil von Pandemiepräventionsplänen. Der Ausbruch des SARS-CoV-2 hat deutlich gezeigt, dass die Gesundheit von Einzelnen die Bedingung für die Gesundheit aller ist. «Tierschutz ist zu einer zentralen Überlebensfrage des Menschen geworden. Wir brauchen daher einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Tieren. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bereits 75 Prozent der Infektionskrankheiten Zoonosen sind, sprich tierischen Ursprungs. Unser Gesundheitssystem, aber auch die globalen Landwirtschafts- und Agrarsysteme müssen angesichts dieser Herausforderung dringend neu geordnet werden», fordert Nina Jamal, Kampagnenleiterin für Pandemien bei VIER PFOTEN.
Eine Studie als Chance
Eine zentrale Frage der Studie, welche beim renommierten Mauss Research-Institut in Berlin in Auftrag gegeben wurde ist, an welchem Gesundheitsbegriff sich politische Massnahmen zur Pandemiebekämpfung orientieren. Internationale Organisationen wie die OIE (Weltorganisation für Tiergesundheit), FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen), UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen) und die WHO (Weltgesundheitsorganisation) unterstützen zwar bereits das «One Health»-Konzept, bei dem die Wechselwirkung zwischen menschlicher und tierischer Gesundheit diskutiert wird. Dieser Zugang lässt allerdings das Tierwohl grösstenteils ausser Acht. Mit dem «One Welfare Framework» bringt VIER PFOTEN diesen wesentlichen Aspekt nun verstärkt in die Debatte ein. Die Empfehlungen der Studie betreffen Massnahmen, die die Gesundheit von Mensch und Tier fördern, das Klima und die Biodiversität schützen sowie negative Auswirkungen auf die Ökonomie minimieren. So zählen die drastische Reduktion von Tierprodukten, die Verringerung der weltweiten Tierbestände und ein schrittweises Ende der Massentierhaltung zu den wirksamsten Massnahmen zur Pandemieprävention.
«Es werden bislang weiterhin nur die Symptome von COVID-19 bekämpft, aber nicht die Ursache dieser zoonotischen Pandemie. Das ursächliche Problem ist die gestörte Beziehung zwischen uns Menschen, den Tieren und der Umwelt. Nur wenn weltweit konkrete Massnahmen ergriffen werden, die Tierleid beenden, können zukünftige Pandemien erfolgreich verhindert werden. Im Hinblick auf den World Health Summit und die Debatte über ein internationales Pandemieabkommen fordern wir deshalb von den Verantwortlichen, Tierschutz als integrierten Bestandteil der Pandemieprävention zu verankern. Denn, solange Tiere leiden, werden auch wir Menschen unter den Folgen von Zoonosen wie COVID-19 zu leiden haben», sagt VIER PFOTEN Vorstandsvorsitzender Josef Pfabigan.
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