Der Schweizerische Gemeindeverband ergreift Massnahmen, um das Milizsystem zu Stärken

18.02.2020 | von Schweizerischer Gemeindeverband


Schweizerischer Gemeindeverband

18.02.2020, Bern (ots) - Damit das Milizsystem, ein Pfeiler des schweizerischen Erfolgsmodells, attraktiv bleibt, braucht es verschiedene Impulse. Der Schweizerische Gemeindeverband (SGV) setzt dabei selber Schwerpunkte: mit Schulbesuchen, einem politischen Vorstoss auf Bundesebene und einem Zertifikat für Gemeinderätinnen und Gemeinderäte. Diese Massnahmen sollen die Miliztätigkeit insgesamt stärken und dazu führen, dass die Gemeinden auch zukünftig genügend politisches Personal haben und ihre wichtige Rolle gut wahrnehmen können.

Nach dem «Jahr der Milizarbeit», das der SGV 2019 initiiert hat und in dessen Verlauf schweizweit über das Milizsystem informiert und diskutiert wurde, geht es jetzt um die praktische Umsetzung. Der SGV fordert alle auf, sich für die Stärkung und Weiterentwicklung des Milizsystems einzusetzen: Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Er selber wird ebenfalls aktiv und konzentriert sich bei seinen Massnahmen auf drei Bereiche: politische Bildung, Aus-/Weiterbildung und Anerkennung. Damit berücksichtigt er die zeitlichen Perspektiven «bevor ein Amt übernommen wird», «während der Ausübung eines Amts» und «nach der Ausübung eines Amts». Konkret wird der SGV in drei Gemeinden eine Schulklasse besuchen, er wird einen politischen Vorstoss auf Bundesebene zur Anrechenbarkeit eines Gemeinderatsamts an Lehrgängen von Schweizer Hochschulen lancieren, und er beteiligt sich an der Zertifizierung von Führungskompetenzen von Mitgliedern einer Gemeindeexekutive.

Spielerisch die Gemeinde kennenlernen

Der SGV ist überzeugt, dass die Jungen bereits früh in der Schule abgeholt und für die Aufgaben beziehungsweise Bedeutung der Gemeinden und der politischen Prozesse sensibilisiert werden müssen. Aus diesem Grund hat er im Rahmen des «Jahrs der Milizarbeit» das Kinderbüchlein «Meine Gemeinde, mein Zuhause» publiziert. Es ist in den Gemeinden und Schulen auf grosses Interesse gestossen. Insgesamt wurden rund 100'000 Exemplare bestellt. «Auf dieser guten Grundlage wollen wir aufbauen», sagt SGV- Direktor Christoph Niederberger. «Wir organisieren deshalb Schulbesuche, gehen also selbst in die Klassenzimmer.» Dabei erfahren die Schülerinnen und Schüler auf spielerische Art, wie eine Gemeinde funktioniert, was sie alles für ihre Bürgerinnen und Bürger macht und warum es attraktiv ist, sich in der Gemeinde zu engagieren. Der Schulbesuch wird in Absprache mit der Gemeindepräsidentin beziehungsweise dem Gemeindepräsidenten und den zuständigen Schulbehörden geplant und gestaltet. Die Inhalte und Hilfsmittel wird der SGV dann den Gemeinden zur Verfügung stellen. Damit sollen sie ermuntert und inspiriert werden, selbst einen Schulbesuch oder eine ähnliche Aktion durchzuführen.

Amt an Aus-/Weiterbildung anrechnen

Milizpolitikerinnen und -politiker üben ihr Amt neben ihrer beruflichen Tätigkeit aus. Insbesondere für ambitionierte Berufsleute zwischen 25 und 40 Jahren, die einen Stellenwechsel oder eine Führungsposition anstreben, ist ein Milizamt fast schon ein Wettbewerbsnachteil gegenüber jenen, die sich nicht für das Gemeinwohl engagieren und Zeit in eine berufliche Weiterbildung investieren können. Dieser Nachteil kann beseitigt und das Milizamt gleichzeitig aufgewertet werden, indem Personen ihre Tätigkeit in einer Gemeindeexekutive an Lehrgängen an Schweizer Hochschulen anrechnen lassen können. Denn das Amt selbst stellt eine Form von Aus- und Weiterbildung dar. So erwirbt eine Person während ihrer Tätigkeit in der Gemeindeexekutive spezifische Fähigkeiten und Kompetenzen: Projektmanagement, Führung, Verhandlung und Kommunikation. So wie Hochschulen die militärische Führungsausbildung für Weiterbildungen anrechnen, sollen sie auch Erfahrungen in der Gemeindeexekutive berücksichtigen. Der SGV wird dazu ein Postulat formulieren, das im nationalen Parlament eingereicht wird.

Zertifikat «Führung in der Gemeindeexekutive»

Die dritte Massnahme, die der SGV ergreift, zielt ebenfalls auf die Aufwertung des Milizamts ab. Gemeinderätinnen und Gemeinderäte erwerben in ihrer Amtszeit zahlreiche wichtige Fachkenntnisse und -kompetenzen. Diese werden jedoch in der Berufswelt, in der Zertifikate und Ausweise einen hohen Stellenwert haben, zu wenig oder gar nicht anerkannt. Die Schweizer Kader Organisation (SKO) hat diesen Mangel erkannt und bietet eine Zertifizierung der Führungskompetenzen von Gemeinderatsmitgliedern an. Bereits haben über 180 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte ihre Kompetenzen zertifizieren lassen. Auf Anfang 2020 ist der SGV eine Kooperation mit der SKO eingegangen. Das Zertifikat «Führung in der Gemeindeexekutive» wird nun gemeinsam von der SKO und dem SGV vergeben. «Es umfasst bis zu zehn Kernkompetenzen und zeigt dadurch der Berufswelt den Mehrwert eines Exekutivamts auf», sagt SGV-Direktor Christoph Niederberger.

Die Zertifizierung erfolgt auf Eigeninitiative und ist kostenpflichtig. Erwerben können das Zertifikat Personen, die über mindestens vier Jahre Erfahrung in einer schweizerischen Gemeindeexekutive verfügen. Dazu muss ein Dossier bei der SKO eingereicht werden. Anhand dessen und in einem Evaluationsgespräch werden die Kompetenzen verifiziert. Nach positiver Beurteilung und Bezahlung (1000 Franken für Nichtmitglieder, 850 Franken für SGV-Mitglieder, 400 Franken für SKO-Mitglieder) wird das Zertifikat ausgestellt.

Informationen zum Zertifikat «Führung in der Gemeindeexekutive» www.sko.ch/gemeinderat

Kontakt:

Hannes Germann, Präsident Schweizerischer Gemeindeverband, Ständerat,

Tel. 079 401 00 01

Christoph Niederberger, Direktor Schweizerischer Gemeindeverband,

Tel. 078 654 64 06



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Über Schweizerischer Gemeindeverband:
Der Schweizerische Gemeindeverband setzt sich für die Anliegen der Gemeinden im Gesetzgebungsprozess auf nationaler Ebene ein. Er vertritt die Interessen der Gemeinden in Arbeitsgruppen des Bundes sowie im Rahmen von Vernehmlassungen und Anhörungen.

Bund und Kantone entziehen den Gemeinden immer mehr Kompetenzen und übertragen ihnen zunehmend Aufgaben, ohne Mitspracherechte zu gewähren. Der Schweizerische Gemeindeverband wehrt sich deshalb auf Bundesebene für die Anliegen der Gemeinden. Die stark zunehmende Regelungsdichte schränkt den Handlungsspielraum und den rechtlichen Gestaltungsspielraum der Gemeinden immer mehr ein.

Der Schweizerische Gemeindeverband fordert Gesetze, die im Milizsystem umgesetzt werden können. Das Milizsystem und das Freiwilligenengagement sind zentrale Elemente der Schweizer Gemeinden, die wesentlich zum Wohlergehen der Bevölkerung beitragen.

Der Schweizerische Gemeindeverband setzt sich dafür ein, dass sie verstärkt gefördert und anerkannt werden.

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