Morgen Donnerstag entscheidet die Schweizerische Nationalbank (SNB) über ihre weitere Zinspolitik. Seit Juni letzten Jahres hat sie den Leitzins kontinuierlich erhöht, um die hohe Inflation zu bekämpfen. «Jetzt muss sich die SNB die Frage stellen, was wichtiger ist: eine Zinspause einlegen, um die Konjunktur nicht abzuwürgen, oder den Leitzins nochmals erhöhen, um die künftigen Inflationstreiber aktiv einzudämmen», sagt Comparis-Finanzexperte Dirk Renkert. Ob sie die Gründe für und gegen eine Leitzinserhöhung richtig gewichte, werde die Zukunft zeigen. «Die SNB ist bisher mit Zinserhöhungen und Devisenverkäufen zur Stärkung der eigenen Währung sehr erfolgreich gewesen. Die Inflation ist seit Monaten auf dem Rückzug und befindet sich mit 1,6 Prozent den dritten Monat in Folge deutlich unterhalb der anvisierten Obergrenze von 2 Prozent. Wenn sie ihre hohe Glaubwürdigkeit behalten will, muss die SNB die Inflation langfristig im Zaum halten», so Renkert.
Steigende Mieten und höhere Strompreise als zukünftige Inflationstreiber
Steigende Mieten und höhere Strompreise seien als zukünftige Inflationstreiber bereits identifiziert. So hat die Erhöhung des hypothekarischen Referenzzinssatzes Anfang Juni bereits zu ersten Ankündigungen von Mietpreiserhöhungen geführt, die ab Oktober greifen. «Es ist damit zu rechnen, dass der hypothekarische Referenzzinssatz weiter erhöht wird. Auch die angekündigten Strompreissteigerungen um durchschnittlich 18 Prozent und die Anhebung der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte im nächsten Jahr dürften einen permanenten Druck auf die Inflation ausüben», sagt der Comparis-Experte. Ferner sei noch nicht absehbar, welchen Einfluss der Fachkräftemangel – besonders im Gesundheitswesen mit steigenden Krankenkassenprämien – auf künftige Lohnforderungen und damit verbundene allfällige Preiserhöhungen habe.
Erste Wolken am Konjunkturhimmel
Unabhängig vom morgigen Zinsentscheid der SNB heizen diese Faktoren die Inflation weiter an. «Ein starker Franken kann dabei helfen, die importierte Inflation weiter einzudämmen», so Renkert. Aus seiner Sicht wird sich die SNB vermutlich mit der blossen Erreichung des Zielbandes von 0 bis 2 Prozent nicht zufriedengeben, sondern Inflationsraten anstreben, die eher im mittleren Bereich des Zielbandes liegen. «Für Konsumierende sind moderate Inflationsraten wünschenswert: Anhaltend hohe Inflationszahlen von 2 Prozent können beispielsweise zu einem markanten Kaufkraftverlust bei den Vorsorgegeldern der zweiten Säule führen, da Rentenzahlungen nicht gesetzlich an einen Teuerungsausgleich gekoppelt sind. Auch die realen Sparzinsen sollten sich nach der Tiefstzinsphase wieder deutlich im positiven Bereich bewegen, um dem Kaufkraftschwund zu begegnen. Hierfür müssten die Banken jedoch den Zinsvorteil an die Sparerinnen und Sparer in gebührendem Masse weitergeben», sagt der Comparis-Experte.
Bereits seien erste Wolken am Konjunkturhimmel erkennbar. Das zeige laut Renkert, dass die Politik höherer Zinsen greife und der SNB die Gratwanderung zwischen Inflation und Rezession bisher gelungen sei. Auch die gegenwärtige Frankenstärke dämpfe den Teuerungsdruck, dräcke aber auf die Margen der Exportindustrie. «Langfristig sollte die SNB trotzdem an ihrer Politik der Preisstabilität festhalten», kommentiert Renkert. Nur wenn die Notenbank moderate Inflationsraten anstrebe, ohne die Konjunktur abzuwürgen, lasse sich ein dauerhafter, schmerzhafter Kaufkraftverlust der Konsumierenden – mit negativen Folgen für die Wirtschaftsentwicklung – verhindern.
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Dirk Renkert
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