Der Kanton Bern besitzt zwei Weinbaugebiete: ein grösseres am Bielersee; über 60 Winzer:innen bewirtschaften eine Fläche von gut 220 ha Reben.
Dazu zählen die Südosthänge des Bielersees von Vingelz über Tüscherz-Alfermée, Twann, Ligerz bis
nach Schafis und La Neuveville sowie die Rebberge der St. Petersinsel und der Weinbaugemeinden
Erlach, Tschugg, Gampelen und Ins. Und ein kleineres am Thunersee in Thun, Spiez,
Oberhofen und Hilterfingen. Wie exzellent viele Weine dieser Regionen sind und wie gross ihre
Diversität, hat sich noch zu wenig herumgesprochen. Und vor allem führen viel zu wenige Berner
Gastrobetriebe Weine aus der Region auf ihren Weinkarten.
Das finden jedenfalls drei
engagierte junge Winzerinnen aus der Region. Sie haben am 2. November zum dritten Mal den
Anlass «Bärner Winzer z Bärn» in der
historischen Halle des Rathauses in der Berner Altstadt organisiert. Er stand unter dem Motto «triff
Winzer von hier, trink lokale Weine, entdecke Vielfalt». Neben der Verkostung der Berner Weine, von
denen es eine überraschende Vielfalt gibt, hatten Besucher:innen Gelegenheit, sich mit einigen der
profiliertesten Weinproduzentinnen und Produzenten vom Bieler- und Thunersee auszutauschen.
Eine der Organisatorinnen, die Biologin, Winzerin und angehende Agronomin Cécile
Luterbacher, erzählte, wie «harzig» es sei, in der Stadt Bern für Berner Wein zu werben. Ihre
Anliegen wäre es, dass sich auf der Weinkarte jedes bernischen Gastrobetriebs mindestens ein
lokales Gewächs findet.
«Im Kanton Neuenburg ist es obligatorisch, dass Restaurants lokale
Weine anbieten», sagt Cécile Luterbacher. Und im Wallis wäre es auch ohne Gesetz undenkbar, in
der Beiz keinen Fendant, Dôle, Petite Arvine oder Heida zu bekommen. Nur die Berner:innen neigten
dazu, ihre eigenen Produkte gering zu schätzen.
Grosse Fortschritte
Auch
der Kanton Bern fördert den Weinbau, wie Michael Gysi in seiner erfrischend kurzen Ansprache
ausführte. Gysi, Vorsteher des kantonalen Amtes für Landwirtschaft und Natur, betonte, wie
wichtig es sei, Konsumierende und Gastronom:innen davon zu überzeugen, lokalen Wein zu
konsumieren. Zumal im Weinbau grosse Fortschritte erzielt worden seien. Immer mehr Weine werden
biologisch angebaut.
Zudem sind die sogenannten PIWI-Sorten im Vormarsch. Sie machen
am Bielersee inzwischen sechs Prozent der Produktion aus, am Thunersee sogar 30 Prozent. PIWI-
Weine sind Weine aus neu gezüchteten Rebsorten mit erhöhter Widerstandsfähigkeit gegen
Pilzkrankheiten. Das ermöglicht eine deutliche Reduktion des Gebrauchs von Pflanzenschutzmitteln
im Weinberg.
Die öffentliche Degustation vom 2. November baute auf dem
Wettbewerb «Berner Wein des Jahres» auf, mit dem eine Jury jeweils im Sommer die besten
Weine des Kantons in sechs Kategorien sowie die Winzerin oder den Winzer des Jahres kürt. Am 7.
Juli 2023 konnten Sandra und Remo Giauque-Kunz aus Ligerz an einer Feier
in Twann von Regierungsrat Christoph Ammann die begehrte Trophäe entgegennehmen. Auch zwei
weitere Auszeichnungen heimste das Ehepaar Giauque ein: Ihr Chasselas und ihr Pinot Noir siegten
in der jeweiligen Kategorie.
Unter den beteiligten Winzer:innen fand sich Ruth Wysseier, die zusammen mit Werner Schweizer in der Kategorie
PIWI-Weine gesiegt hatten. Sie präsentierte im Rathaus gleich zwei PIWI-Weissweine, unter ihnen
den preisgekrönten Solaris. Diese Weinsorte, die 1975 in Freiburg im Breisgau
entwickelt wurde, ist noch wenig bekannt. Er besticht durch ein filigranes Bukett, das an Muskateller
erinnert. Solaris erfordert nur in Jahren mit grossem Infektionsrisiko den Einsatz von
Pflanzenschutzmitteln.
Der erste Wein aus der Stadt Bern
Ein Exot unter den
Weinbauern ist Matthias Rindisbacher. Nicht nur hat der Winzer seine berufliche Laufbahn einst als
Architekt begonnen. Er ist auch der Erste seit rund vier Jahrhunderten, der in der Stadt Bern wieder
Wein anbaut. Auf dem sogenannten Wyssloch beim Zentrum Paul Klee hat er 2017 auf 1,4 Hektaren
einen Rebberg angepflanzt. Vergangenes Jahr konnte Rindisbacher von der Weinmanufaktur
Bern zum ersten Mal rund 3500 Flaschen der Weissweinsorte Sauvignac keltern. «Der
ökologisch produzierte Wein ist durch und durch Berner: hier gewachsen, gekeltert und verkauft»,
sagt Rindisbacher stolz. Er besitzt weitere Weinberge in anderen Regionen des Kantons Bern und im
Tessin.
Mit-Organisatorin Cécile Luterbacher gab sich am Ende der Veranstaltung zufrieden.
«Es kamen mehr Besucher:innen als letztes Jahr. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg
sind.» Sie hofft, «Bärner Winzer z’Bärn» künftig jedes
Jahr durchführen zu können. «Unsere Weine haben es verdient, noch bekannter zu werden», findet
die engagierte Winzerin.
Berner Wein des Jahres 2023
Am Wettbewerb
«Berner Wein des Jahres 2023» waren 160 Weine von 33 Winzerinnen und Winzern nominiert.
Erstmals wurde dieses Jahr ein Spezialpreis für PIWI-Weine ausgelobt.
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--- ENDE Pressemitteilung Qualität und Vielfalt der Berner Weine präsentiert ---
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