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Empa: Nachhaltige Verarbeitung von Elektroschrott in Indien dank Coworking

31.01.2022 | von EMPA


EMPA

31.01.2022, Bern (ots) - Ein indisch-schweizerisches Forschungsteam entwickelt ein ökologisches und solidarisches Geschäftsmodell, das die Umweltbelastung beim Recycling von Elektroschrott verringert.

In Indien werden über 90 Prozent des Elektroschrotts im informellen Sektor verarbeitet. Diese Tätigkeit bietet vielen Familien ein Einkommen, belastet jedoch oft die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter. Die Anpassung und Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften ist aufgrund der erforderlichen Investitionen und des administrativen Aufwands schwierig.

Hier setzt das Projekt Ecowork an, das vom Schweizerischen Nationalfonds und Innosuisse über das BRIDGE-Programm finanziert wurde: Um Kleinunternehmen im informellen Sektor zu unterstützen, wurde ein neuartiges Geschäftsmodell basierend auf dem Coworking-Konzept entwickelt. Initiiert hat diesen Ansatz ein indisch-schweizerisches Team, zu dem die Umweltwissenschaftlerin Dea Wehrli gehört, die bei der Empa tätig ist und das Projekt mitleitet. Sie ist auf Recycling von Elektroschrott spezialisiert und hat vor ihrer Tätigkeit bei Ecowork auf diesem Gebiet in Indien gearbeitet. "Der Ecowork Space soll ein Art Inkubator-Hub werden und die Unternehmer in die Wertschöpfungskette integrieren. Dabei können wir auf wertvolles Wissen und langjährige Erfahrung der Empa im Elektroschrottrecycling zurückgreifen."

Werkzeuge und Schutzausrüstung

Ecowork richtet sich an Kleinstunternehmerinnen und -unternehmer ohne Investitionskapital oder Erfahrung in der Führung eines Unternehmens. Es wird derzeit in Delhi aufgebaut und getestet und soll im ersten Jahr rund 40 Interessierten einen Arbeitsplatz bieten. Auch während der Zusammenarbeit mit Ecowork bleiben die Teilnehmenden selbständig. "Wir bieten ihnen ein Geschäftsmodell mit mehreren Elementen an: Sie können einen sicheren und legalen Arbeitsplatz mieten, und sie erhalten Zugang zu Werkzeugen und Schutzausrüstung. Zudem wollen wir sie in der Anwendung effizienterer Arbeitsabläufe und bei administrativen Schritten unterstützen und ihnen Ausbildungsmöglichkeiten bieten", erklärt Wehrli. So sollen die Teilnehmenden ihren Markt vergrössern und mehr Einkommen erzielen können.

Dank Apps mehr Wirtschaftlichkeit

Zum Angebot des Geschäftsmodells von Ecowork gehören auch digitale Lösungen. Die Mikrounternehmen können sich mit Hilfe von Apps vernetzen. Dea Wehrli erklärt, wie das geht: "Wenn eine Arbeiterin beim Zerlegen eines Laptops nur eine kleine Menge eines bestimmten Materials gewinnt, kann sie dieses dank der App mit dem gewonnen Material eines anderen Mikrounternehmens in der Nähe kombinieren und eine grössere Menge zum Verkauf anbieten. Die Käufer sind eher an grösseren Mengen interessiert und zahlen dafür auch höhere Preise", erklärt Dea Wehrli.

Die Wissenschaftlerin ist gespannt: "Elektroschrott ist eine globale Herausforderung. Die Schweizer Forschung verfügt in diesem Bereich über Kompetenzen. Ich sehe es in unserer Verantwortung, dieses Wissen und die Möglichkeiten, die wir haben, zu nutzen, um zur Verbesserung der ökologischen und sozialen Situation im Recyclingsektor beizutragen. Umso mehr, weil unsere Lösung - falls sie sich bewährt - in viele weitere Länder transferiert werden könnte."

Platz für Innovation

Seit 2017 unterstützt das Programm BRIDGE mit zwei Förderangeboten Projekte an der Schnittstelle von Grundlagenforschung und wissenschaftsbasierter Innovation. Das Angebot Proof of Concept richtet sich an junge Forschende, die aus ihren Forschungsresultaten innerhalb von zwölf Monaten soziale oder marktfähige Anwendungen entwickeln wollen. Als Projekt kommen verschiedene Arten von Innovationen infrage. Discovery ist das Angebot für erfahrene Forschende, die das Innovationspotenzial ihrer Forschungsergebnisse ausloten und umsetzen möchten. Es werden Projekte mit bis zu drei Partnern für maximal vier Jahre finanziert. Technologische Innovationen mit positiven gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Auswirkungen sind besonders erwünscht.

Pressekontakt:

Andrea Wehrli
EMPA
Überlandstrasse 129
8600 Dübendorf
Tel.: +41 58 765 7666
E-Mail: andrea.wehrli@empa.ch



--- ENDE Pressemitteilung Empa: Nachhaltige Verarbeitung von Elektroschrott in Indien dank Coworking ---

Über EMPA:
Die Empa ist das interdisziplinäre Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und Technologieentwicklung. Als Brücke zwischen Forschung und Praxis erarbeitet sie Lösungen für die vorrangigen Herausforderungen von Industrie und Gesellschaft.

Indem die Empa Forschungsergebnisse dank effizientem Technologietransfer gemeinsam mit Industriepartnern in marktfähige Innovationen umwandelt, trägt sie massgeblich dazu bei, die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu stärken getreu ihrem Motto: «Empa - The Place where Innovation Starts»

Unsere Vision ist ebenso einfach und gradlinig wie ehrgeizig. Sie ist eine Art Fixstern, der uns die Richtung weist und uns zeigt, wonach wir streben sollten. Diese Vision ist der Anspruch, dem viele, um nicht zu sagen alle unsere Aktivitäten genügen müssen.

Um die zahlreichen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen und dafür zukunftsfähige Lösungen zu konzipieren, sind Fortschritte in Wissenschaft und Technik absolut zentral. Die Empa stellt sich der Aufgabe, Wege in eine lebenswerte Zukunft für künftige Generationen aufzuzeigen und zu entwickeln.

Quellen:
news aktuell   HELP.ch


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