Früher war von 'Altersdiabetes' die Rede. Doch die Krankheit wird immer häufiger auch bei jungen Menschen diagnostiziert. Diese Typ 2-Diabetes ist eine Stoffwechselkrankheit, bei der das für die Regulierung des Blutzuckers so wichtige Insulin in der Zellmembran nicht wunschgemäss wirkt und nicht ausreichend von den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse ausgeschüttet wird. Ein internationales Forscherteam ist beim Verständnis dieser Krankheit nun ein Stück weiter gekommen. Die Ergebnisse wurden im Wissenschaftsmagazin 'Diabetes' veröffentlicht.
Genvariante reduziert Medikamentenwirkung
Im Zentrum der Forschung steht eine genetische Besonderheit (DNA-Variante), die bei einem Fünftel der Bevölkerung vorkommt. Diese DNA-Variante hat zwei ganz unterschiedliche Effekte: Einerseits verstärkt sie die Insulinausschüttung, „wie bei einem Turbomotor“, sagt Prof. Andreas Fritsche von der Universität Tübingen. Dadurch haben die Träger dieser DNA- Variante ein geringeres Risiko, an Typ 2-Diabetes zu erkranken. Andererseits scheint die DNA-Variante bei Personen, die an der Krankheit leiden, dafür verantwortlich zu sein, dass bei ihnen eine bestimmte Klasse von Diabetes-Medikamenten (DPP4-Inhibitoren) weniger gut wirkt.
Individualisierte Behandlung
„Wir kennen unterdessen zwei Genvarianten, die die Wirkung dieser Medikamentenklasse beeinflussen, und dies könnte uns mittelfristig die Möglichkeit eröffnen, auf der Grundlage einer genetischen Analyse darüber zu entscheiden, welches Medikament wir bei einem bestimmten Patienten einsetzen wollen“, sagt Fritsche, der im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung tätig ist. Der Forscher ergänzt: „Das würde helfen, Therapien zu vermeiden, die für einen bestimmten Patienten wirkungslos und unnötig belastend sind, und damit auch Gesundheitskosten sparen.“
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