Seit ihrer Gründung vor über vierzig Jahren wird die Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft SHL in Zollikofen von einem Konkordat aller Schweizer Kantone und Liechtensteins getragen. Doch mit dem neuen Fachhochschulgesetz wurde die Schweizerische Bildungslandschaft grundsätzlich umgekrempelt. Fast alle Universitäten und Fachhochschulen sind heute kantonal getragen. Das soll bald auch für die SHL gelten, die administrativ bereits seit über zehn Jahren der Berner Fachhochschule BFH angegliedert ist. In seiner Sitzung vom 3. Juli 2008 hat der Konkordatsrat der SHL einen ersten Schritt zur Auflösung des Konkordats getan.
Integration in Berner Fachhochschule im Vordergrund Die SHL trifft in der Folge alle nötigen Massnahmen zur so genannten Kantonalisierung und zur vollständigen Integration in die Berner Fachhochschule. Die Verhandlungen zwischen Konkordat und Kanton Bern über die detaillierten Übernahmebedingungen sollen innert Jahresfrist zu einem konkreten Vorschlag führen. Die Kantonalisierung setzt die Zustimmung der Kantonsregierung und des Berner Grossen Rats voraus. Die Auflösung des Konkordats muss ausserdem von jedem einzelnen Mitglied beschlossen werden. Wenn alle Bedingungen eines Trägerschaftswechsels bekannt sind, wird der Konkordatsrat über dessen Umsetzung entscheiden. Ein Wechsel dürfte voraussichtlich 2012 vollzogen werden. Bei einer Kantonalisierung geht die Verantwortung für die strategische und finanzielle Führung der SHL an die zuständigen Organe des Kantons Bern und der Berner Fachhochschule über.
Zusammenschluss auf eidgenössischer Ebene als Option Als alternative Option für die künftige Trägerschaft wird auch der Zusammenschluss der SHL mit den eidgenössischen Forschungsanstalten Agroscope/Nationalgestüt und mit der Beratungsorganisation Agridea im 2 Auge behalten. Diese Idee hat kürzlich eine vom Bundesamt für Landwirtschaft eingesetzte Arbeitsgruppe skizziert. Ziel der neuen Institution wäre es, die Bildung, Forschung und Beratung in den Bereichen Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung auf hohem Niveau zu vereinen. Diese Option ist von politischen Entscheiden auf nationaler Ebene abhängig. Der Verwaltungsrat und die Direktion prüfen diese Alternative zur Kantonalisierung, sofern sie rechtzeitig konkrete Konturen annimmt.
Kontinuierliches Wachstum erfordert Erweiterungsbau Der Konkordatsrat ist sich darin einig, dass durch den Wechsel der Trägerschaft die Leistungen der SHL nicht beeinträchtigt werden dürfen. Man will auch in Zukunft eine starke, leistungsfähige SHL. Dies betrifft auch den geplanten Erweiterungsbau auf dem Campus in Zollikofen: Das neue Gebäude ist dringend notwendig, um die stark steigende Zahl von Studierenden und Mitarbeitenden aufnehmen zu können und um kostengünstig und zeitgemäss unterrichten zu können. Den endgültigen Entscheid über die Ausführung des Baus wird der Konkordatsrat nach der Klärung noch offener Fragen über die Finanzierung treffen.
Die Schweizerische Hochschule für Landwirtschaft bietet drei in ihrer Form einzigartige Bachelor-Studiengänge in Land- und Forstwirtschaft sowie Food Science & Management an. Ein Master-Studiengang soll 2009 gestartet werden. Dank den ausgezeichneten Berufsaussichten der Absolventinnen und Absolventen und dank neuer Studienschwerpunkte wie zum Beispiel Pferdewissenschaften erfreut sich die SHL eines grossen Zulaufs. Auf September 2008 werden rund 150 neue Studierende erwartet, mit zehn Prozent mehr als im Vorjahr ein neuer Höchststand.



